Sitemap Seite empfehlen Kontakt Impressum

Startseite
Aktuelles
Heimathof Emsbüren
Heilkräutergarten
Geschichtswerkstatt
Die Kluse von Berge
Schmiede
Volkstanzgruppe
Kontakt

245.729 Besucher

Startseite > Geschichtswerkstatt > Die Kluse von Berge

 

 

Die Kluse von Berge

DIE KLUSE VON BERGE
 
Pilatus gab den Befehl,
Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.
                                      (Die Bibel, Markusevangelium 15,15)
 
 
In dieser im Jahre 1979 errichteten Backsteinkluse wird die Geißelung Jesu durch römische Soldaten dargestellt. Der Künstler Ernst Suberg (1918-1987) aus Elleringhausen im Sauerland schuf die drei Skulpturen aus Eichenholz: In der Mitte steht der an eine Säule gefesselte Jesus, links und rechts je ein römischer Soldat mit einer sogenannten Geißel, einer Peitsche aus Schnüren.
 
Diese Kluse ersetzt einen baufällig gewordenen Vorgängerbau, der sich in unmittelbarer Nähe befand. In diesem stand eine barocke Skulpturengruppe des Künstlers Bernd Meiering (1631-1703), die um 1670 geschaffen worden war. Diese Figuren wurden 1977 gestohlen. Früher einmal könnte die Kluse Teil eines Kreuzweges gewesen sein. Die Hintergründe des Baus liegen aber im Dunkeln.
 
Die Kluse wurde im Volksmund lange als „Judenkasten“ bezeichnet. Die Herkunft dieser Bezeichnung ist nicht eindeutig geklärt. Hintergrund dieser Namensgebung könnte ein christlicher Antijudaismus sein, der fälschlicherweise behauptete, jüdische Bürger aus Jerusalem hätten Jesus Christus gekreuzigt. Dafür spricht, dass in früheren Veröffentlichungen die beiden äußeren Figuren als „Juden“ bezeichnet wurden.
 
Berge, im Juni 2016
 
 
Hintergründe und Wissenswertes zum Text auf der Informationstafel
 
 
Pilatus gab den Befehl
Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.
(Die Bibel, Markusevangelium 15, 15)
 
Pilatus war ein hoher römischer Beamter der Besatzungsmacht in Judäa. Er war der 5. Prokurator von Judäa und regierte von 26-36 nach Christus. Pilatus verurteilte Jesus zum Tode, obwohl dieser sich keines Verbrechens schuldig gemacht hatte. Wahrscheinlich wurde Jesus zum Tode verurteilt, weil er eine besonders charismatische Persönlichkeit war, der viele Menschen begeistern und somit auch führen konnte. Das erschien den Mächtigen als gefährlich.
 
Die Römer vollstreckten die Todesstrafe durch die Kreuzigung. Dieser ging im Regelfall die Geißelung voran. Die Geißelung ist eine Art der Folter, in der das Opfer mit einer Lederpeitsche mit eingeflochtenen Knochen- oder Metallteilen ausgepeitscht wurde. Geißelung und Kreuzigung wurden im römischen Reich nur an Menschen vollzogen, die in der Provinz lebten und nicht das römische Bürgerrecht besaßen.
 
…könnte die Kluse Teil eines Kreuzweges…..
 
Der Kreuzweg ist eine Form des Gebetes und eine Art, sich möglichst erfahrungsbezogen mit dem Kreuzweg Jesu Christi auseinanderzusetzen und zu verbinden. Ausgangspunkt dieser Form des Gebetes ist der Weg Jesu Christi vom Ort seiner Verurteilung hin zum Ort der Kreuzigung. Die Bibel berichtet in der Leidensgeschichte, dass Jesus sein Todeswerkzeug, das Kreuz, selbst zum Ort der Kreuzigung tragen musste. Die Bibel berichtet auch von Begegnungen auf diesem Kreuzweg. In Erinnerung an den Kreuzweg Jesu gehen und beten bis heute Tausende von Pilgern den Kreuzweg in der Altstadt Jerusalems auf der Via Dolorosa. Dieser Leidensweg endet in der Grabeskirche, die im 4. Jahrhundert von Kaiser Konstantin über Golgotha und über dem Grab Jesu gebaut wurde. Kreuzwegdarstellungen wurden im Laufe der Kirchengeschichte in vielen Kirchen aufgehängt. Dabei handelt es sich um die bildhafte Darstellung der 14 Stationen von der Verurteilung bis zur Grablegung. Neben Kreuzwegen in den Kirchen wurden auch in der Natur, in Städten oder auf Friedhöfen Kreuzwegstationen aufgestellt, die zum Verweilen und Beten einladen.
[Pastor Stephan Schwegmann]
 
Das Christentum
 
Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging: „Nicht du trägst die Wurzel, sie trägt dich“, schreibt Paulus. Daraus resultiert, „...ohne Judentum kann sich das Christentum niemals selbst verstehen und sich noch weniger in seiner tiefsten Wahrheit einholen.“ (1)
Vor etwa 2000 Jahren nahm die christliche Religion in dem von den Römern besetzten Königreich Judäa ihren Anfang. Etwa um das Jahr 7 v. Chr. wurde Jesus geboren. Er wuchs in Nazareth auf, wo er den Beruf des Zimmermanns erlernte.
Mit etwa 30 Jahren begann er als Wanderprediger durch Palästina zu ziehen. Frauen und Männer schlossen sich ihm an: die Jünger Jesu. Sie erlebten und erzählten, wie Jesus den Menschen von Gott und dem ersehnten Reich des Friedens predigte, Kranke heilte, Menschen faszinierte.
Viele Anhänger sahen in Jesus den erwarteten Erlöser, den Messias oder – griechisch – Christus. Nach christlicher Überzeugung ist Jesus Christus Gottes Sohn.
Jesus geriet in Konflikt mit der Jerusalemer Tempelaristrokatie und der römischen Besatzungsmacht. Schließlich wurde er unter Pontius Pilatus nach römischer Hinrichtungsart gekreuzigt. Am dritten Tag fanden Frauen, die Jesus sehr nahe gestanden hatten, das Grab leer. Jesus war auferstanden.
„Für die frühen Jesusgemeinden gab es zunächst nicht das Bewusstsein, eine vom Judentum unabhängige Glaubensgemeinschaft zu sein. So wie Jesus selbst sich zeitlebens als gläubiger Jude verstanden hat, lebte auch die Jerusalemer Urgemeinde aus einem jüdischen Selbstverständnis.“ (2)
Anfangs besaßen diese Gemeinden nur ein Evangelium, im 2. Jahrhundert n.Chr. bildete sich der Vier-Evangelien-Kanon heraus: die Evangelien Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Gemeinsam mit den Briefen, die zwischen den ersten Gemeinden verschickt wurden (z.B. Paulusbriefe), bilden Sie das Neue Testament. (Testament= Zeugnis).
Im Laufe der Zeit bildeten sich zwei Zentren des christlichen Glaubens heraus, Rom im Westen und Byzanz im Osten. Der sogenannte Bilderstreit führte im Jahr 1045 schließlich zur Spaltung der beiden Glaubensgemeinschaften: der Katholischen Kirche in Rom und der orthodoxen Kirche in Byzanz.
Im 16. Jahrhundert erfolgte in Mitteleuropa eine weitere Trennung infolge der Reformation.
Im Mittelpunkt christlicher Glaubensbekenntnisse steht die Dreieinigkeit als Gott Vater, der die Welt schuf, als Sohn, der die Welt erlöste und als Heiliger Geist, der den Menschen beisteht.
 
Anmerkung (1): H. Halbfas, Das Christentum, S. 37
 
Anmerkung (2) H. Halbfas, Das Christentum, S. 357
 
Zum Judentum
 
Der Begriff „Judentum“ bezeichnet das religiöse, kulturelle und soziale Leben des jüdischen Volkes. Die Bezeichnung „Juden“ leitet sich von dem israelischen Stamm Juda ab.
Die jüdische Religion stellt die älteste der monotheistischen Religionen dar.
Die Geschichte der hebräischen Bibel erzählt, dass vor etwa 3300 Jahren Gott Abraham erwählte und mit ihm einen Bund schloss. Als Zeichen dieses Bundes Gottes mit seinem Volke gilt die Beschneidung des männlichen Säuglings. (siehe Gen 17, 9-14).
Nach Ex 3 ist der Gottesname Jahwe durch Mose in die israelitische Tradition eingefügt worden. Jahwe offenbarte sich am brennenden Dornbusch Mose, um ihm mit der Befreiung seines Volkes aus der Sklaverei in Ägypten zu beauftragen mit den Worten „Ich bin da“ oder nach Martin Buber „Ich werde da sein als der ich da sein werde.“ (1)
(Vgl. „Du sollst dir kein Gottesbild machen.“ Ex 40,4)
Juden meiden aus Ehrfurcht, den Gottesnamen Jahwe auszusprechen. Geschrieben wird der Name nur mit den Konsonanten JWHE. Stattdessen lesen sie „adonai“:  „Der Ewige“.
Der Dekalog (Zehn Gebote), der als  Vorlage für die 1948von der UN  verabschiedeten Erklärung der Menschenrechte (2) diente, enthält Weisungen von grenzen-und zeitenüberschreitender Qualität.
(Beispiel: „Der siebte Tag ist ein Ruhetag. Auch für deine Sklaven, Fremden und Arbeitstiere.“  Dt 5,14 oder Ex 20,9 f.)
In die jüdische Tradition wird man hineingeboren, Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat. Seit einiger Zeit ist es möglich, nach einem intensiven Studium zum Judentum zu konvertieren.
Der jüdische Mann trägt in der Synagoge eine Kopfbedeckung (oft eine Kippa), um dadurch seinen Respekt vor dem Göttlichen auszudrücken. Die jüdische Frau braucht beim Gottesdienst ihren Kopf nicht zu bedecken.
Die Frau ist Gott schon sehr nah, da sie das Leben schenkt. (3)
Die 24 Bücher der hebräischen Bibel werden in drei Gruppen unterteilt:
die Thora (die fünf Bücher Mose)
die Newim (die prophetischen Schriften)
die Ketuwin (die übrigen Schriften, z.B. Psalmen)
Neben der hebräischen Bibel ist der Talmud (=lernen) eine wichtige Sammlung von rabbinischer Überlieferung und Textauslegung.
Im Jahre 70 n.Chr. wurde Jerusalem zerstört, die meisten jüdischen Bewohner wurden deportiert. Nach einem Aufstand im Jahre 132 n. Chr. wurden alle Juden von den Römern aus dem Land vertrieben.
Sie zerstreuten sich in alle Welt. Es formten sich im wesentlichen drei Strömungen heraus: das orthodoxe Judentum, das konservative Judentum, das Reformjudentum.
Anmerkung (1): Gott wird auf der Ebene von Ich und Du, nicht in der Bindung an einen Ort gesehen
(siehe Hubertus Halbfas, Die Bibel, S. 102)
Anmerkung (2): Deutschlandfunk:
Aus Religion und Gesellschaft vom 24. 3. 2016
Anmerkung (3): Was glaubt man, wenn man jüdisch ist?
 
Im Reformjudentum können auch Frauen die Rolle eines Rabbiners ausführen. Regina Jonas arbeitete seit 1934 als Rabbinerin in Berlin, bis sie deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet wurde
(S. 38 Was jeder vom Judentum wissen muss).
[Angela Prenger]
 
 
Judenkasten
 
Der Volksmund nennt die Kluse von Berge "Judenkasten". Wie dieser Name entstanden ist, ist leider nicht überliefert. Auch durch intensives Nachfragen und Forschen ist es nicht gelungen, den Begriff "Judenkasten" zu erklären.
 
 
Volksmund
 
Der Begriff Volksmund, „wie das Volk spricht“, hat mehrere Bedeutungen und wird in den heutigen Fachsprachen nicht mehr benutzt. Er steht für:
  • die „im Volk lebendige mündliche Überlieferung“
  • den „volkstümlichen Sprachgebrauch“, die Alltagssprache oder Umgangssprache im Gegensatz zum fachwissenschaftlichen Sprachgebrauch, veraltet auch für die Mundart, ein Wort, das aber auch für Dialekt stehen kann.
Quelle: Wikipedia
 
 
Berge 2017
 
Als eins von acht Ortsteilen der Gemeinde Emsbüren liegt Berge im südwestlichen Niedersachsen, Landkreis Emsland in dem Städtedreieck Lingen – Nordhorn -  Rheine, auf einer Fläche von 958,35 ha.
Der Name Berge leitet sich von der hügeligen Landschaft ab. Die Hünenburg (920 n. Chr.) deutet auf eine frühe Besiedlung des Ortes hin. Der Nattenberg erhebt sich mit 72 Meter üNN über den Ortskern von Emsbüren. In der näheren Umgebung spricht man heute noch von den Bergler Hähnkes, meint aber die Bergler Leute damit. In einem Liedtext* hat die Berglerin Margret Hasken Bergler Land und Leute  humorvoll beschrieben.
In einem Teil von Berge, den man Hanwische nennt, hatte sich im 16. Jahrhundert eine Art Ortskern gebildet. Die Höfe lagen im Bereich der heutigen Tennishalle nah beieinander. Im 19 Jahrhundert sind einige dieser Höfe in westlicher Richtung ausgesiedelt. Der Teil Hanwische war bis 1823 eine selbstständige Verwaltungseinheit.  Das 20. und 21. Jahrhundert brachten erhebliche Veränderungen des Ortsteils. Große Wohnsiedlungen, Schulen und ein Kindergarten sowie der Sportpark Hanwische entstanden auf Bergler Grund und Boden. Durch einen freiwilligen Landtausch (1974) veränderte sich die Mark in Richtung Monokultur und wurde durch den Bau der Autobahn A31 diagonal durchschnitten. Die 68 viehhaltenden Haushaltungen und landwirtschaftlichen Familienbetriebe im Jahre 1937 sind bis auf 6 Bauern, in heutiger Zeit, zurückgegangen. Dennoch wurden landschaftlich prägende Teile und Sehenswürdigkeiten erhalten. Dazu zählen u.a. der Dunkern, der Nattenberg, das Keienvenn und die Hünenburg. Aus der Bauernschaft mit 414 Einwohnern  im Jahre 1900 hat sich heute ein Ortsteil mit hoher Wohnqualität, in reizvollen Umgebung  mit 2106 Berglerinnen und Berglern, rund um den Emsbürenern Ortskern entwickelt. Dadurch unterscheidet Berges geografische Lage sich von allen anderen Ortsteilen Emsbürens.                                         
Optimale Verkehrsanbindungen sind u. a. die Nähe zum Bahnhof Leschede, A30, A31 und dem Flughafen Münster/Osnabrück bzw. das Ruhrgebiet welches in gut einer Autostunde erreicht werden kann.
[Benno Brinker]
 
 
 
Hähnkes Hymne
Melodie: My Bonnie
 
Ganz rund um die City Emsbüren(s)
sind wir Bergler Hähnkes zu Haus.
Und wenn wir die Grenzen mal sperren,
führt kein Weg mehr rein oder raus.
 
Ref.: Links, rechts, links, rechts
im Süden, im Norden und geradeaus,
rund um Emsbüren sind Bergler Hähnkes zu Haus
 
Schaun wir weit von unseren Hügeln
hinaus über die Kespelwelt,
dann winkt uns vom Kirchturm mit Flügeln
ein Bergler, der dort Ausschau hält.
 
Ref.: Links, rechts, ...
 
Man kennt uns als lustige Hähnkes.
Wir werden vom Feiern nicht müd'.
Zum Bier picken wir Kuipers Körnchen
und krähen dann laut unser Lied:
 
Ref.: Links, rechts, ...
[Verfasserin: Margret Hasken]